Kreuzheben ist eine der grundlegenden Übungen im Krafttraining – ob für Athleten, Freizeitsportler oder ambitionierte Home-Gym-Trainierende. Doch welche Variante ist biomechanisch und leistungsphysiologisch überlegen: das klassische Kreuzheben mit der Langhantel oder das Kreuzheben mit der Hexagon-Stange (Trap Bar)?
Eine vielzitierte Studie aus dem Journal of Strength and Conditioning Research (Swinton et al., 2011) untersuchte genau das. Die Ergebnisse liefern wertvolle Erkenntnisse für Trainingspraxis, Leistungsoptimierung und Geräteauswahl.

Hintergrund: Warum die Frage relevant ist
Die Art der Stange beeinflusst die Körpermechanik und damit die Muskelaktivierung, Kraftentfaltung und Verletzungsprävention.
- Bei der Langhantel liegt das Gewicht vor dem Körper – das erzeugt höhere Scherkräfte im unteren Rücken, aber auch eine stärkere Belastung der hinteren Muskelkette (Gluteus, Beinrückseite, Rückenstrecker).
- Bei der Hex-Bar steht der Sportler mittig im Schwerpunkt der Last. Das verändert die Kraftrichtung, entlastet die Lendenwirbelsäule und fördert eine quadrizepsdominante Bewegung mit mehr Explosivität.
Ziel der Studie war es, zu klären, welche Variante die höhere Muskelaktivierung und Power-Output erzeugt – und welche Trainingsziele davon profitieren.
Studienaufbau & Methodik
Die Forscher untersuchten 20 männliche, erfahrene Kraftsportler mit mindestens einem Jahr Kreuzhebeerfahrung.
Versuchsdesign
- Die Probanden führten Kreuzheben sowohl mit Langhantel (Straight Bar) als auch mit Hexagon-Stange (Trap Bar) aus.
- Zunächst wurde für beide Varianten der 1-Repetition-Maximum (1RM) ermittelt.
- Anschließend absolvierten sie drei Wiederholungen bei 65 % und 85 % ihres 1RM, während Kraft, Geschwindigkeit und Muskelaktivität gemessen wurden.
Messparameter
1. Muskelaktivierung (EMG):
- Vastus lateralis (Quadrizeps)
- Biceps femoris (Beinrückseite)
- Erector spinae (Rückenstrecker)
2. Leistungsvariablen:
- Maximalkraft (Peak Force)
- Maximale Leistung (Peak Power)
- Maximale Geschwindigkeit (Peak Velocity)
Die Bewegungen wurden auf Kraftplatten durchgeführt und mit Elektromyographie (EMG) überwacht, um objektive Vergleichswerte zu erhalten.
Ergebnisse im Detail
1. Maximalkraft (1RM)
Es zeigte sich kein signifikanter Unterschied in der maximal bewegbaren Last:
- Langhantel: 181,4 kg
-
Hex-Bar: 181,1 kg
→ Beide Varianten ermöglichen also ein vergleichbares Kraftmaximum.

2. Muskelaktivierung
Die EMG-Analysen zeigten jedoch deutliche Unterschiede zwischen den Muskelgruppen:
-
Quadrizeps (Vastus lateralis):
Bei der Hex-Bar war die Aktivierung signifikant höher – sowohl in der Anhebe- als auch in der Senkphase.
→ Interpretation: Mehr Beteiligung der vorderen Kette. -
Beinrückseite (Biceps femoris):
Bei der Langhantel war die Aktivierung deutlich stärker, insbesondere während der konzentrischen Phase.
→ Interpretation: Klassisches Kreuzheben trainiert stärker die posterior chain. -
Rückenstrecker (Erector spinae):
Ebenfalls höhere Aktivierung bei der Langhantel, vor allem in der exzentrischen Phase.
→ Interpretation: Mehr Stabilisationsarbeit im unteren Rücken.
3. Leistungswerte (Kraft, Power, Geschwindigkeit)
Die Hex-Bar erzielte durchgängig höhere Leistungskennzahlen:
|
Kennzahl |
Langhantel |
Hex-Bar |
Unterschied |
|
Peak Force |
2.509 N |
2.553 N |
1,7 % |
|
Peak Power |
1.640 W |
1.871 W |
14 % |
|
Peak Velocity |
0,725 m/s |
0,805 m/s |
11 % |
Diese Unterschiede zeigen:
Die Hex-Bar erlaubt eine aufrechtere Körperposition und bessere Kraftübertragung, was zu mehr Explosivität und höherer Geschwindigkeit führt.
Interpretation der Ergebnisse
Biomechanische Vorteile der Hex-Bar
- Durch die neutrale Griffposition (seitlich am Körper) wird das Drehmoment auf die Wirbelsäule reduziert.
- Das Gewicht befindet sich über dem Körperschwerpunkt, was die Last gleichmäßiger verteilt.
- Die Bewegung ähnelt mehr einer Kniebeuge mit Zugkomponente – was die Quadrizeps stärker einbindet.
- Ideal für Sportarten, bei denen Explosivkraft und Beschleunigung entscheidend sind (z. B. Sprint, Sprungkraft, Football, Gewichtheben).
Langhantel bleibt unersetzlich für die hintere Kette
- Durch den weiter vorn liegenden Lastschwerpunkt werden Gesäß- und Beinbeuger stärker gefordert.
- Der Bewegungswinkel trainiert gezielt Hüftstreckung und Rückenstrecker, zentrale Elemente für funktionelle Kraft und Haltung.
- In Hypertrophie- oder Kraftphasen ist das klassische Kreuzheben daher weiterhin unverzichtbar.

Praktische Anwendung im Training
|
Ziel |
Empfohlene Variante |
Begründung |
|
Explosivkraft & Schnelligkeit |
Hex-Bar |
Höhere Power & Geschwindigkeit |
|
Kraftentwicklung hintere Kette |
Langhantel |
Größere Aktivierung von Gluteus & Beinrückseite |
|
Rückenfreundliches Training |
Hex-Bar |
Neutrale Griffposition, geringere Scherkräfte |
|
Wettkampforientiertes Powerlifting |
Langhantel |
Klassische Variante bleibt Standard |
|
Allgemeines Athletiktraining / Teamsport |
Hex-Bar |
Bessere Kraftübertragung & Technikstabilität |
Trainingsvorschlag: Kombinierte Periodisierung
- Woche 1–3: Hex-Bar Deadlifts mit Fokus auf Geschwindigkeit (3 × 5 Wdh. bei 60–70 %)
- Woche 4–6: Langhantel-Deadlifts mit Fokus auf Maximalkraft (4 × 3 Wdh. bei 80–90 %)
- Ergänzend: Romanian Deadlifts oder Good Mornings für gezielte Beinrückseitenarbeit
So nutzt du die Synergie beider Varianten – wissenschaftlich fundiert und praxisorientiert.
Kritische Bewertung & Limitationen
Wie jede Studie hat auch diese Einschränkungen:
- Nur männliche, erfahrene Kraftsportler untersucht – keine Daten für Frauen oder Anfänger.
- Nur drei Muskelgruppen wurden per EMG gemessen; andere stabilisierende Muskeln (Gluteus, Core) blieben unberücksichtigt.
- Belastungsstufen beschränkten sich auf 65 % und 85 % 1RM – extreme Lasten oder Reha-Szenarien nicht abgedeckt.
- Bewegungsabläufe variieren individuell – Technikunterschiede können Messungen beeinflussen.
Trotzdem gilt: Diese Studie zählt zu den präzisesten biomechanischen Analysen des Kreuzhebens und liefert eine belastbare Grundlage für Trainingsentscheidungen.

Fazit: Wissenschaftlich bestätigt – die Wahl der Stange verändert den Trainingsreiz
Beide Varianten des Kreuzhebens haben ihre Berechtigung.
Die Hex-Bar ermöglicht höhere Leistungsausgabe, mehr Explosivität und eine stärkere Quadrizeps-Aktivierung – bei gleichzeitig geringerer Rückenbelastung.
Die Langhantel hingegen bleibt die bessere Wahl, wenn du gezielt Gesäß, Beinbeuger und Rückenstrecker kräftigen willst.
Kombiniert angewendet bieten beide Tools das Beste aus zwei Welten – funktionelle Kraft, Stabilität und maximale Leistung.
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